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„Smart New World“
– Wollen Sie die Welle reiten oder den Tsunami fürchten? –
Jahreskongress Einkauf & Supply Management 2016


Die Welle der Digitalisierung rollt auf Wirtschaft und Gesellschaft zu. Industrie 4.0, Internet of Things, Roboter, neuartige Datenanwendungen und mobile Technologien verändern unsere Arbeits- wie unsere Lebenswelt. Wie bereiten sich die Unternehmen auf die kommenden Anforderungen vor? Welche Maßnahmen werden bereits konkret umgesetzt, um digital fit zu werden? Wie geht der Einkauf mit den Chancen und Risiken der „Smart New World“ um? Der Jahreskongress Einkauf & Supply Management 2016 des Forum Einkauf im ÖPWZ bot zwei Tage lang Gelegenheit zu Diskussion und Reflexion und erfolgreiche Praktikerinnen und Praktiker stellten Strategien und Projekte vor.

Die Hügellandschaft des Mostviertels in Niederösterreich bot den äußeren Rahmen des Jahreskongresses Einkauf & Supply Management 2016, zu dem 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz angereist waren, um sich über die Entwicklungen der Digital Economy auszutauschen und sich Impulse für die Umsetzung im eigenen Unternehmen zu holen.

Ergänzend zu den inhaltlichen News konnten sich die TeilnehmerInnen bei den Ausstellern über spannende Neuentwicklungen informieren:
Achilles | Alcatel-Lucent Enterprise | Austria Trend Hotels | be print3D Spyratos |Direkt Kurier | Fraunhofer Austria | Gottschligg | IFIT |m-eXchange psg | Ruckus Wireless | TESLA | Wiesner-Hager | WPS Management |

Mag.a Gabriela Scopp, Vorsitzende Forum Einkauf im ÖPWZ, zitierte in ihrem Eröffnungsstatement eine Presseaussendung der Europäischen Kommission vom April 2016, in der es unter anderem hieß: „Zwar haben digitale Technologien und Verfahren in vielen Teilen der Wirtschaft rasch Eingang gefunden, doch müssen die europäischen Unternehmen, unabhängig von ihrer Branche und ihrer Größe, die digitalen Möglichkeiten auch tatsächlich nutzen, um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Dass es dabei nicht um Optionen geht, sondern um Notwendigkeiten, betonte auch Dipl.-Ing. Jörg Köck, der als Moderator durch die beiden Tage führte. „Konzentrieren wir uns auf die Chancen und nehmen wir die Herausforderungen an, statt nur auf die Risiken zu schauen“, so sein Appell. Vorgestellt wurde Jörg Köck übrigens von Naomi, einem Robotermädchen, das seine „menschlichen Freunde“ gut gelaunt begrüßte und zeigte, wie Interaktion mit „digitalen Freunden“ künftig aussehen könnte.

„Smart Practice im Einkauf: Gut aufgestellt für das, was kommt“: Im ersten Programmteil stellten drei Expertinnen und Experten praktische Anwendungen und Ergebnisse aus ihrem Unternehmensalltag vor.

Mag.a (FH) Beatrix Praeceptor, Procurement Director Mondi Europe & International Mondi AG, Austria, bot interessante Einblicke in die Automatisierung von Procurement-Prozessen im Unternehmen, die sie maßgeblich vorantreibt und damit bemerkenswerte Erfolge erzielt. Ihre Botschaft an die Kolleginnen und Kollegen: „Teilen Sie die Vision auf allen Ebenen der Organisation. Unterschätzen Sie die Komplexität nicht. Gutes Projektmanagement ist der Schlüssel zum Erfolg.“

DI (FH) Franz Schneeberger, MBA, Leiter Beschaffung Hirtenberger Automotive Safety GmbH & Co KG, Hirtenberg, zeigte auf, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf den Unternehmenserfolg hat und dass es für KMU unerlässlich ist, sich fit für die digitale Zukunft zu machen, denn Schnelligkeit, nicht Größe, ist der Wettbewerbsfaktor der Zukunft. Die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist dabei ein ganz wesentlicher Punkt.

Mag. Gerhard Koiner, Pike Consulting Partners GmbH, Graz, sprach über „Smart Practice für heutige und künftige IT-Beschaffungsstrategien“. IT-Beschaffung ist im Zeitalter der Digitalisierung ein besonders kritischer Bereich, denn es verändert sich nicht nur der IT-Beschaffungsmarkt, sondern das gesamte Nutzungsverhalten der Anwenderinnen und Anwender. Die Vernetzung mit Lieferanten und Partnern und die generelle Beschleunigung der Einkaufsprozesse stellt die Unternehmen zusätzlich vor große Herausforderungen. Die Zusammenarbeit mit flexiblen Dienstleistern ist daher künftig ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Daten, Daten, Daten: Viele Unternehmen haben sie, anderen brauchen sie, der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Auswertung, in den richtigen Fragen, die man an die Datenbestände stellt, und im Matching von Datenpools. Neue Perspektiven und Chancen durch Big Data für Einkauf und Supply Management zeigte Univ.-Prof.in Dipl.-Inf.in Dr.in Stefanie Lindstaedt, Technische Universität Graz und Geschäftsführerin Know-Center GmbH, auf. Die Projekte, die Prof.in Lindstaedt mit Unternehmen durchführt, könnte man als „gelebte Industrie 4.0“ bezeichnen. Es geht dabei zum Beispiel um die datengetriebene Optimierung der Produktion, um Erhöhung der Effizienz durch den Einsatz von Mobiltechnologie, um Lenkung von Mobilität und generell um die Nutzung von „Datenschätzen“ durch den Einsatz fortgeschrittener Such- und Analyseverfahren. Hinter all dem steht ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Prozessoptimierung, der sich auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen massiv auswirken wird.

Mit Daten befasst sich auch Günter Eder, Managing Partner, Quantoras, KG, Wien. Sein Unternehmen liefert dem Einkauf in Form innovativer Dienstleistungen wesentliche, entscheidungsrelevante Marktdaten, bis hin zur Nennung günstiger Lieferanten für eine Vielzahl von Grundstoffen für die Industrie. Die Botschaft Günter Eders: Unternehmen sollten mit Startups zusammenarbeiten oder solche gründen, um über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, was besonders bei der Digitalisierung unerlässlich ist.

„Datenschutz 3.0: Neue Regeln für den digitalen Wandel“: Mag. Andreas Krisch, Geschäftsführender Gesellschafter mksult GmbH, Wien, Mitglied der RFID-Expertengruppe der Europäischen Kommission und Mitglied des Österreichischen Datenschutzrates, erläuterte die wesentlichen Punkte der neuen europaweiten Datenschutzverordnung, die in zwei Jahren in Kraft tritt. Ein kritischer Faktor für die Beschaffung wird hier sein: Ist mein Lieferant, sind seine Produkte, seine Dienstleistungen entsprechend zertifiziert? Datenschutz wird, so Mag. Krisch, künftig vermehrt ein Kriterium in Ausschreibungen sein.

Der zweite Kongresstag startete mit einer Podiumsdiskussion. Dr. Ralf Affenzeller, MBA, Geschäftsleiter Spedition CONTOP GmbH, Salzburg, Christian Doleschal, Geschäftsführer Österreich ALE Austria GmbH, Wien, Mag. Dipl.-Ing. Bernhard Löwenstein, Gründer und Leiter IFIT – Institut zur Förderung des IT-Nachwuchses und Lektor an der TU Wien, und Dipl.-Ing. Alexander Schmid, Senior Researcher Fraunhofer Austria GmbH, Geschäftsbereich Produktions- und Logistikmanagement, Wien, befassten sich gemeinsam mit dem Moderator Jörg Köck mit Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, Stichworte Bildung, Jobchancen, Arbeitsmarkt. Die Diskussion zeigte deutlich die Dringlichkeit, mit der Unternehmen auf den digitalen Zug aufspringen müssen, es wurde aber auch klar, dass dies reflektiert und mit Vernunft erfolgen muss. Jedes Unternehmen wird hier seinen individuellen Weg finden müssen. Die darauffolgenden Gruppenarbeiten in Form eines World Café, moderiert von Dipl.-Inf. John Benad, Marktgut, Werder, griffen diese Themen ebenfalls auf. Die Erkenntnisse aus diesem diskussionsgeprägten Vormittag: Die klassischen Skills des Einkäufers, der Einkäuferin sind nicht obsolet, im Gegenteil, der menschliche Faktor wird an Bedeutung gewinnen, das Verhandeln mit Lieferanten und der persönliche Kontakt sind nicht automatisierbar. Allerdings ändern sich die Instrumente und es ändern sich die Methoden der Informationsbeschaffung, viele Prozesse werden immer mehr beschleunigt, neue Dienstleistungen entstehen, die der Einkauf auf Nutzen für seine tägliche Arbeit hin evaluieren muss. Künftig wird es sowohl ohne Grundverständnis für „Digitales“ wie ohne Bereitschaft, digitale Hilfsmittel anzuwenden, nicht mehr gehen. Und es werden in der Beschaffung vermehrt Menschen gebraucht werden, die sich mit Daten befassen, Data Scientists, Mathematiker. Diese Fähigkeiten verbunden mit Einkäufer-Know-how sind die Erfolgsfaktoren der Zukunft.

„Der Roboter im Chefsessel“ droht uns also vorerst nicht, was von Univ.-Prof. Robert Trappl, Leiter des Instituts für Artificial Intelligence, Wien, in seinem abschließenden Vortrag bestätigt wurde. In einer Tour de Force durch die Geschichte des Forschungsgebietes „Künstliche Intelligenz“ zeigte er die wichtigsten Meilensteine auf und erläuterte, wo die Ergebnisse der Grundlagenforschung auf diesem Gebiet heute in der Praxis zu finden sind, von Robotik über Spracherkennungssoftware bis hin zu jenen Technologien, die selbstfahrende Autos ermöglichen. Ob die Roboter sich eines Tages gegen uns Menschen verbünden können? Prof. Trappl wollte das nicht ausschließen, derzeit sei das aber nicht zu befürchten, denn noch sei es schwierig, das volle menschliche Emotionsspektrum und das menschliche Lernverhalten vollständig in Maschinen nachzubilden.

Der Jahreskongress Einkauf & Supply Management 2016 lieferte nach einhelliger Meinung der TeilnehmerInnen und Teilnehmer sehr viele Impulse und höchst interessante Einblicke in die Praxis der Digitalisierung, die längst begonnen hat und in vielen Unternehmen bereits heute zum Alltag gehört. Der Einkauf ist dabei in besonderem Maße Treiber sowie Innovations- und Informations-Hub, denn er befindet sich traditionell an einer wichtigen Schnittstelle von Innen und Außen und im Zusammenspiel mit Lieferanten, Partnern und Dienstleistern sind viele spannende Entwicklungen zu erwarten.

Der nächste Jahreskongress wird am 18. – 19. Mai 2017 stattfinden und sowohl die Bestandsaufnahme fortsetzen wie weiteren wertvollen Praxis-Input liefern.

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